Modellversuch zum Ansteckungsrisiko durch COVID-19

Mann mit medizinischer Maske in Klassenzimmer

Im Großraumbüro, im Fitnessstudio oder im Theater? Wo ist das Risiko, sich mit dem Coronavirus anzustecken, am größten? Wissenschaftler der TU Berlin haben in Zusammenarbeit mit der Charité und dem Robert Koch Institut einen Modellversuch unternommen. Die Forscher des Hermann-Rietschel-Instituts der TU Berlin verglichen dabei verschiedene Innenraumsituationen miteinander und berechneten die Ansteckungsrate. Welche Rolle es spielt, eine Maske zu tragen und wie gut FFP2-Masken schützen, erfahren Sie in unserem neuesten Artikel.

Geringere Ansteckungsrate im Theater als im Großraumbüro

Im Modellversuch ist eine infizierte Person zusammen mit gesunden Menschen in einem Raum. Um sich dort anzustecken, ist die Anzahl der infektiösen Aerosole, die eingeatmet werden, ausschlaggebend. Die vom Forschungsteam berücksichtigten Faktoren sind die Dauer des Aufenthalts im Raum (im Supermarkt mit einer Stunde veranschlagt), die sogenannte “Atemaktivität” (im Fitnessstudio viel höher als im Supermarkt oder Theater) und die Möglichkeiten der Belüftung. Die dabei ermittelten R-Werte geben an, wie viele Menschen eine infizierte Person im Raum ansteckt. Je höher diese Zahl, desto größer ist auch das Ansteckungsrisiko.

Im Theatersaal liegt der situationsbezogene R-Wert bei 0,5, wenn er nur zu 30% besetzt ist und alle Personen eine Maske tragen. Das Risiko, sich durch Aerosole mit Covid-19 zu infizieren, ist damit geringer als beim Friseurbesuch mit Maske, wo der R-Wert 0,6 beträgt. Im Supermarkt steckt eine infizierte Person bei einem R-Wert von 1,0 theoretisch eine weitere Person an. Anders sieht die Situation im voll besetzten Großraumbüro oder im Klassenzimmer aus, wenn Personen keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Hier steckt ein Infizierter laut Modell mehr als 11 weitere Personen an. Generell sind Schulen und Büros Orte, an denen eine potenzielle Infektion im Vergleich zu anderen geschlossenen Räumen besonders hoch ist. Das liegt vor allem an der längeren Aufenthaltsdauer und der mitunter hohen Zahl an Menschen im Raum. Alle untersuchten Raumszenarien zeigt das Herrmann-Rietschel-Institut in seiner Infografik.

Im Wechselunterricht mit Masken am wenigsten Ansteckungsmöglichkeit

In den ZDFheute Stories wird der Modellversuch auf das Ansteckungsrisiko in Klassenzimmern bildlich erklärt: Nach sechs Stunden Unterrichtszeit würde eine infizierte Person 11,5 weitere Menschen in einem vollbesetzten Klassenraum anstecken. In diesem Szenario besteht keine Maskenpflicht. Es halten sich viele Menschen über einen langen Zeitraum in diesem Raum auf. Bei halbierter Klassengröße, beispielsweise im Wechselunterricht, sinkt das Ansteckungsrisiko bereits deutlich, auch wenn die Schüler in dieser Situation noch keine Masken tragen. Der R-Wert liegt nunmehr bei 5,9. Weniger Menschen im Raum bedeuten also, laut TU Berlin, eine größere Menge Frischluft pro Person. Bei einer Besetzung des Klassenzimmers von nur noch 50% im Wechselmodell mit Maskenpflicht sinkt der situationsbedingte R-Wert auf 2,9. Das bedeutet, dass eine infizierte Person 3 weitere Menschen anstecken könnte.

Das Tragen einer Maske hilft demnach, einen Aerosolausstoß weiter zu reduzieren. Professor Martin Kriegel, Leiter des Hermann-Rietschel-Instituts, ergänzt: “Bei den Schulöffnungen ist das Einhalten der AHA-L-Regeln besonders wichtig. Kurzes, regelmäßiges Stoßlüften ist im Winter besonders effektiv.” Die AHA-L-Regel besagt: Abstand halten, Hygienemaßnahmen beachten, sich im Alltag durch FFP2-Masken schützen und auf regelmäßiges Lüften achten.

Wirkungsvolle Kombination: Maskenpflicht und Vermeidung von Menschenansammlungen

Professor Martin Kriegel, Leiter des Hermann-Rietschel-Instituts, betont gegenüber der FAZ, dass die veranschlagten Werte nur Richtwerte, aber nicht unbedingt absolute Zahlen seien. Ebenso handelt es sich bei den untersuchten Raumsituationen um Durchschnittstypi wie ein großes Theaterhaus und nicht ein kleines Hinterhoftheater. In der Kölnischen Rundschau erläutert Jos Lelieveld, Direktor des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie: “Wenn eine Gruppe von Personen sich mit einem infizierten Menschen längere Zeit in einem geschlossenen Raum aufhält, ist das Ansteckungsrisiko sehr hoch. Über mehrere Stunden reichern sich die virenbeladenen Aerosole an, wobei die infektiöse Dosis erreicht werden kann.” Die Kombination von Maßnahmen und die Reduzierung von Menschen an einem Ort helfen maßgeblich dabei, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Dass FFP2-Masken schützen, sowohl den Träger als auch dessen Mitmenschen, ist mittlerweile unumstritten.

Der Modellversuch der TU Berlin wird im Video der Tagesschau zusammenfassend erläutert.